Kapelle  "St. Martin am Kaunergrat"  eingeweiht

Seit Mitte Juni dieses Jahres  war an der 2817 m hoch gelegenen Kaunergrathütte der Sektion Mainz auf Anregung und mit finanzieller und tatkräftiger Unterstützung vieler Mitglieder und Sponsoren eine kleine Kapelle entstanden, die nun am 3. September eingeweiht und unter das Patronat des Hl. Martin gestellt werden konnte. Damit ging ein Herzenswunsch einiger besonders engagierter Bergsteiger der Sektion Mainz  in Erfüllung.

Noch am 2. September hatte der Tieflehner Bergführer, Holzschnitzer und Maler Isidor Eiter die etwa 70 cm hohe Figur des St. Martin mit Bettler in einer Kraxe den Berg  heraufgetragen und in der Kapelle aufgestellt. Er hatte sie in sechswöchiger Arbeit aus einem besonderen Stück rißfreiem Zirbenholz, nämlich sog. Mondphasenholz, erschaffen, wobei er sich in der Komposition an einer Zeichnung von Martin Schongauer (um 1475) orientierte. Allerdings hat er dem „St. Martin am Kaunergrat“ unverkennbar die Züge eines Bergsteigers gegeben, der unter seinem Mantel Kniebundhose und Joppe trägt  und mit festen Bergschuhen auf felsigem Untergrund steht.  Bevor er die St. Martin in der Kapellenwand verankerte, hat er die Apsis noch mit einem Bild der Watzespitze und anderer Dreitausender der Hüttenumgebung passend bemalt hat. Das Kunstwerk wird in Zukunft schon für sich allein ein Anziehungspunkt nicht nur für Bergsteiger und –wanderer sein, aber auch ein beziehungsreicher Mittelpunkt künftiger Berggottesdienste.

Zur Innenausstattung der Kapelle gehört aber auch ein Kruzifix, das ebenfalls Isidor Eiter geschaffen hat. Darunter hat die Sektion Mainz eine Gedenktafel für ihren fast genau ein Jahr zuvor am Kaunergrat abgestürzten Hütten- und Wegewart Dr. Hermann Requadt aus Mainz angebracht. Und auch an Urban Eiter, den Sohn des Künstlers, der vor drei Jahren tragisch an der Watzespitze verunglückte, erinnert künftig eine Tafel.

Kruzifix und Gedanktafel für Dr. Hermann Requadt Innenansicht der Wegkapelle Historische Dokumentation über St. Martin und Gedenken an Urban Eiter

Sponsoren:

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Zur Einweihung der Kapelle am 3. September kamen viele Bergsteiger aus Mainz, darunter auch fast der komplette Sektionsvorstand, nach Tirol und zur Kaunergrathütte. In verschiedenen Gruppen waren die Mainzer unter Führung von Wanderleitern der Sektion von Bozen, aus Oberstdorf, aus dem Pitztal, über Täler und hohe Gebirgskämme gewandert, um sich auf ihrer Hütte zu treffen. Dazu kamen österreichische Bergfreunde aus den Pfarrgemeinden des Pitztals, ein Vertreter der Gemeinde St. Leonhard, Urlauber und andere Hüttengäste, die bei strahlend schönem Bergwetter der Einweihungsfeier beiwohnten.

Die Begrüßungsworte sprach der 1. Vorsitzende der Sektion Mainz, Rolf Lennartz, wobei er besonders denen dankte, die in uneigennütziger Weise dazu beigetragen hatten, dass die Idee einer Kapelle zur Wirklichkeit wurde. Er dankte auch der Blaskapelle Zaunhof für ihre Mitwirkung an der Feier. Danach las Pater Georg Menke OP, Mitglied des Mainzer Alpenvereins, eine Messe. In deren Predigtmittelpunkt stellte er das bekannte Wort des Innsbrucker Altbischofs Reinhold Stecher: „Viele Wege führen zu Gott, einer führt über die Berge“. Er verlas sodann ein Grußwort des Bischofs von Mainz Karl Kardinal Lehmann, der darauf hinwies, dass sich die Menschen auf den Bergen, „wo sie den Naturgewalten besonders ausgesetzt sind und wo die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens spürbarer wird, dem Göttlichen besonders nahe fühlten“. Anschließend trug der ev. Pfarrer Günther Emlein, Seelsorger an den Universitätskliniken in Mainz und ebenfalls Sektionsmitglied, das Grußwort  des Propstes für Rheinhessen Dr. Klaus-Volker Schütz, vor und nahm die Kapelle mit einem Segnungswort („Der Herr, unser Gott, segne diese Stätte. Der Herr, unser Gott, segne die Menschen, die diese Stätte aufsuchen. Der Herr unser Gott, sei uns an dieser Stätte nahe.“) in Dienst. Zum Schluss der sehr harmonischen und bewegenden Feierstunde sprach noch der ehem. 1. Vorsitzende und Mitinitiator des Projekts, Philipp Albert, abschließende Dankesworte.

Die an einer besonders schönen Stelle auf dem Plateau vor der Kaunergrathütte errichtete Kapelle erfüllt, das darf man feststellen, jetzt schon ihren tiefen Sinn. „So ist es innerlich stimmig und richtig“, schreibt Karl Kardinal Lehmann in seinem Grußwort, „wenn Gläubige bis heute auf den Bergen besondere Zeichen setzen: Wegkreuze, Marterln und Kapellen. Dem Wanderer wird damit ein Ort geboten, an dem er innehalten kann, sich inmitten der Schöpfung seinem Schöpfer zuwenden kann.“

Der Bau der Kapelle einschl. Holzplastik hat 26.664,01 € (ohne Hubschrauberkosten 15.460,91 €) gekostet und ist noch nicht ganz durch die bisher eingegangenen Spenden abgedeckt. Die Initiatoren hoffen aber, dass der Rest auch noch aufgebracht wird.

Spenden werden auf das Sonderkonto  30 288 500 bei der Genobank Mainz, BLZ 550 606 11
IBAN DE02550606110000288500
BIC-Code GENO DE 51 MZ 6  erbeten.

Bei Beträgen ab 200 € erteilt die Sektion eine Zuwendungsbescheinigung. Bei kleineren Beträgen erkennt das Finanzamt den Überweisungsnachweis an.

Die Errichtung einer Kapelle in einer abgeschiedenen Hochgebirgsregion ist nicht alltäglich, sie wurde daher auch in der Presse in Mainz und in Tirol gewürdigt.

Während  der Bauzeit  hat der österreichische Privatsender ServusTV  (für die Alpen-Donau-Adria-Region) einen 25 Min.-Film in HD-Qualität mit dem Titel „Leben am Grat – Österreichs jüngste Hüttenwirtin“ gedreht, der auch Szenen vom Bau der Kapelle bis zur Einweihung enthält. Er wurde am Donnerstag, 13. Oktober 2011, 19:45 Uhr, erstmals gesendet.  Leider nicht mehr abrufbar.

Peter Skoda +
langjähriger Sektionsarchivar, 
Mitinitiator und Mitverwirklicher der Kapelle