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Hüttenwanderung Taschach- / Verpeilrunde 
Eine Hochgebirgstour mit tragischem Abschluß

DAV Sektion Mainz   

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Die Gruppe vor der Braunschweiger Hütte
Pitztaler Gletscher
Mittelbergferner
Querung Taschachferner
Taschachferner mit Taschachhaus
Auf dem Fulaer Weg
Rifflsee
Riffelseehuette
Auf dem Brandkogl
Cottbuser Höhenweg vor der Rinne
Cottbuser Höhenweg Einstieg zur Rinne
Blick vom Cottbuser Weg auf Plangeross (leichtesTele)
Cottbuser Höhenweg Felssturzzone
Kaunergrathütte Terassenseite
Watzespitze
Auf dem Sassen
Mittelbergelsee
Verpeiljoch Abstieg
Verpeilhütte

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Schreibt man einen Tourenbericht, wenn die Tour mit einem tödlichen Unfall endet? Wir haben uns – jetzt, nach einem Monat -  dafür entschieden, denn die Tour bestand für uns alle und wohl auch für Hermann aus fünf anspruchsvollen Wanderungen bei traumhaftem Bergwetter. Aber nicht dieses, sondern der tödliche Unfall unseres Bergfreundes Hermann wird uns zuallererst im Gedächtnis bleiben.


Tag 1 - Anreise und Aufstieg zur Braunschweiger Hütte (ca. 4 Stunden)
Am Sonntag, dem 18.07.2010, war Treffen um 13:00 Uhr in Mittelberg bei Mandarfen an der Endhaltestelle der Buslinie vereinbart. Bei der individuellen Anreise wurde der Eine oder Andere durch eine am Abend zuvor abgegangene Mure aufgehalten. Nachdem die Straße seit dem heftigen Gewitter am Vortag zunächst voll gesperrt war, durften vormittags zumindest alle halbe Stunde die Fahrzeuge passieren, so dass jeder pünktlich am Startpunkt ankam.

Gegen 13:00 Uhr starteten wir mit 11 Personen den Aufstieg zur Braunschweiger Hütte. Vor uns lagen 1000 Höhenmeter, die am Stück zu bewältigen waren. Hermann und Günter Hergesell waren nach Ankunft in Mittelberg am Vormittag bereits aufgestiegen. Nach etwa 20 min. erreichten wir den Materiallift der Hütte,  mit dem wir unsere Rucksäcke schon mal auf die Reise schickten. Wir machten uns an den steilen, aber unschwierigen Aufstieg. Aufgrund der schlechten Wetterlage (es war feucht, kalt und ziemlich neblig) konnten wir vom Weg nicht viel erkennen. Immerhin wartete der richtige Regen bis wir die Hütte erreicht hatten. In der Hütte erwarteten uns auf 2759  m neu ausgestattete Vier-Bett-Zimmer. Nach dem Abendessen besserte sich das Wetter etwas und ein Blick aus dem Fenster ließ die tolle Landschaft rund um die Hütte erahnen und machte Hoffnung für den nächsten Tag.


Tag 2 - Von der Braunschweiger Hütte zum Taschachhaus (ca. 7,5 Stunden)
Nach der ersten Nacht auf fast 2800 m erwarteten uns ein blauer Himmel und ein herrlicher Blick auf die Pitztaler Gletscherwelt – die besten Voraussetzungen für die  erste Wanderung. Nach einem ersten Gruppenfoto ging es los Richtung Mittelbergferner. Unterwegs zeugte dabei die ein oder andere eisige Stelle von den offensichtlich ziemlich tiefen Nachttemperaturen.

Der Gletscher selbst zeigte sich schneefrei und dadurch glatt und schwer begehbar. Mit dem einen oder anderen Ausrutscher ließen wir den eigentlichen Gletscher jedoch unfallfrei hinter uns. Beim Aufstieg am schon unter Schotter bedeckten Rand des Gletschers musste Frank jedoch unbedingt noch ausprobieren, ob es die berüchtigten Gletscherspalten auch wirklich gibt… Beim Überqueren einer schneegefüllten Spalte rutschte er ab und steckte im Anschluss bis zum Hals im Schnee - ohne Grund unter den Füßen zu haben. Zunächst war dies natürlich ein Schock sowohl für ihn als auch für die als nächste ankommenden Mitwanderer. Wir konnten ihn mit vereinten Kräften jedoch ohne größere Schäden aus der Gletscherspalte herausziehen. Glück gehabt! Zwischenziel war die Talstation der Pitz-Panoramabahn. Nach einer Pause brachte uns die Bahn auf 3440 m. Oben bot sich ein herrlicher Blick weit über die Ötztaler Alpen hinaus.

Über den Gletschersteig ging es dann weiter in Richtung Taschachgletscher. Der ausgesetzte und steile Steig und die insgesamt 1000 Höhenmeter Abstieg bis zum Taschachhaus ließen das ein oder andere Knie etwas schwächeln. Die Gesamtroute bot jedoch einen abwechslungsreichen und anspruchsvollen Weg. Vor dem Überschreiten des Taschachgletschers gab es am Fuß des Gletschersteigs eine Rast mit Blick auf einen kleinen Gletschersee. Stefan war mutig und nahm ein Bad im eisigen Wasser. Die Überschreitung des Taschachferners war deutlich einfacher als die Gletscherüberschreitung am Morgen und schon bald hatten wir einen schönen Blick auf das Taschachhaus  und das Taschachtal. An der Hütte angekommen,  erwartete uns eine moderne, gut ausgestattete Berghütte, auch das Essen ließ keine Wünsche offen. So klang ein anstrengender Tag mit gemütlichem Beisammensein vor und in der Hütte aus. Übernachtet wurde diesmal in einem großen, aber sehr schönen Matratzenlager.


Tag 3 - Vom Taschachhaus zur Riffelseehütte (ca. 4 Stunden)
Vor der Tour stellte Manfred uns zwei mögliche Wege zur Riffelseehütte vor: Den Offenbacher Höhenweg, einen längeren und anspruchsvollen Weg über den Wurmtaler Kopf, wieder mit einem zu überschreitenden Gletscher. Dann den Fuldaer Höhenweg, einen kürzeren, einfacheren aber landschaftlich schöneren Weg.

Nach Erkundigungen bei den Bergführern auf dem Taschachhaus war klar – der Offenbacher Höhenweg war zurzeit nur mit Steigeisen zu begehen. Da die meisten Gruppenmitglieder diese nicht dabei hatten, fiel die Entscheidung auf den Fuldaer Höhenweg. Nur Hermann und Rolf schlugen gut ausgerüstet den schwierigeren Offenbacher Höhenweg ein und starteten dementsprechend früh gegen sieben Uhr.

Der Rest ließ sich etwas mehr Zeit und startete gegen 08:30 Uhr in Richtung Riffelseehütte. Dabei konnten wir immer wieder einen Blick zurück auf einen Teil der gestrigen Tour und die tolle Lage des Taschachhauses  werfen. Der Fuldaer Höhenweg stellte sich als Genusswanderweg dar, anfangs mussten wir ein paar mit Ketten gesicherte Stellen überwinden, insgesamt machte es einfach nur Spaß, sich ohne große Anstrengung am Berg zu bewegen.

Die Riffelseehütte erreichten wir bereits gegen 13:30 Uhr. Nach einer ausgiebigen Mittagspause und dem Beziehen des Matratzenlagers brachen einige von uns noch zu einer Nachmittagstour auf.

Manfred, Tania, Ariane, Beatrix, Stefan, Frank und ich hatten als Nachmittagsziel den Gipfel des Brandkogels (2677m). Das erste Stück führte uns auf den Cottbuser Höhenweg, den wir am nächsten Tag im Ganzen vor uns hatten. Nach einer halben Stunde bogen wir nach links Richtung Brandkogel ab. Die Stöcke mussten wir bald ablegen, für den größten Teil des Aufstiegs mussten wir die Hände zur Hilfe nehmen. Die Pause am Gipfel fiel aufgrund des kühlen Windes nur recht kurz aus, ein Gipfelbuch suchten wir leider vergebens.

Gegen 18:15 Uhr waren wir zurück an der Hütte, wo die anderen bereits auf uns warteten. Etwa eine dreiviertel Stunde vor uns waren auch Hermann und Rolf vom Offenbacher Höhenweg an der Hütte angekommen.


Tag 4 -  Von der Riffelseehütte zur Kaunergrathütte (ca. 6 Stunden)
Vor dem Aufbruch zur Kaunergrathütte hieß es erstmal Abschied nehmen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme mussten Günter Schmitt und Wilfried die Tour leider abbrechen und fuhren mit der Riffelseebahn zurück ins Tal.

Zu elft ging es dann weiter auf den Cottbuser Höhenweg. Uns erwartete der wohl technisch anspruchsvollste Weg der gesamten Tour. Dieser führte über einen schmalen Pfad im Hang, über Blockwerk und versicherte Felspassagen. Unterhalb des Steinkogels durchquerten wir eine steile Felspassage, die uns versichert zunächst einige Meter steil nach unten und dann kletternd wieder nach oben führte. Kurz nach dieser Kletterei erwartete uns ein herrliches Plateau mit Blick auf das Pitztal, genau der richtige Ort für eine Brotzeit.

Nach der Pause ging es dann weiter in Richtung Kaunergrathütte. Der Weg führte weiter  über Blockwerk und Geröll, Überbleibsel der früheren Gletscherzungen. Vorbei an einem Gletschersee am Karlesegg, wo wir nochmals eine kurze Pause einlegten, begannen wir den steilen Anstieg zur Hütte.

Die Lamas Leonardo und Chester begrüßten uns vor dem letzten Wegstück im kargen Grün grasend. Am Ziel angelangt, wurden wir dann von unserem Hüttenwirt Andi mit einem Begrüßungsschnaps Willkommen geheißen.

Für Interessierte gab es später eine Führung durch die Hütte, bei der Wasser- und  Stromversorgung der Hütte erläutert wurden. Übernachtet wurde gemeinsam im großen Matratzenlager des Haupthauses.


Tag 5 - Von der Kaunergrathütte zur Verpeilhütte (ca. 9,5 Stunden)
Nach einer verregneten Nacht konnten wir am nächsten Morgen, es war der 22.07.2010, wieder bei strahlend blauem Himmel aufbrechen. Tagesziel war die Verpeilhütte.  Zunächst ging es bergauf zum Steinbockjoch, danach führte der Weg meist bergab über Grasnarben und durch Fels und Geröll. Wie von einigen sehnsüchtig erhofft, konnten wir unterwegs eine etwa 20-köpfige Steinbockgruppe beobachten. Sie ruhten etwas über uns im felsigen Hang und ließen sich durch unsere Wandergruppe offensichtlich nicht aus der Ruhe bringen. Ein weiterer steiler Abstieg brachte uns zum türkisblauen Mittelberglessee, danach ging es in fast weglosem Gelände weiter durch ein schier endloses Feld mit Blockwerk. Wir erreichten schließlich ein Geröllfeld gegenüber vom  Verpeiljochs, wo eine weitere Rast folgte.

Hier trennten sich Hermann und Stefan von uns, um ins Pitztal abzusteigen. Die noch verbleibenden neun Gruppenmitglieder machten sich an den Aufstieg zum Verpeiljoch. Oben trafen wir einige Bergführer, die gerade einen versicherten Abstieg in Richtung Verpeilhütte einrichteten. Die ersten Meter waren bereits fertig gestellt und wurden durch uns eingeweiht. 

Unten erreichten wir ein schönes Bachtal. Entlang des Baches führte der Weg bis zur Verpeilhütte.

Während des Abends erreichte uns die Nachricht, dass Hermann Requadt auf dem Abstieg ins Tal tödlich verunglückt ist. Geschockt verbrachten wir den Abend und die Nacht noch auf der Verpeilhütte, um am nächsten Morgen ins Tal abzusteigen.

Die Tour fand mit diesem tragischen Unfall ein sehr trauriges, vorzeitiges Ende.

Nicole Scheuring

Teilnehmer: Rolf Lennartz, Hermann Requadt, Günter Hergesell, Günter Schmitt, Wilfried Block, Stefan Claus, Frank Gerlach, Tania Schittek, Nicole Scheuring, Katja Siebert, Ariane Gottschick, Beatrix Obal

Tourenleitung: Manfred Neuber

Nächste Veranstaltungen:
Wiederholung der beschriebenen Tour
und

E5 Südteil von Bozen ins Pitztal
Auskunft unter: neuber.manfred@arcor.de
Weiterhin: Bergwandern auf den Kanaren
mehr Info unter www.rencker.de 
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